Histoire des Alpes - Storia delle Alpi - Geschichte der Alpen (1996)/10

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Darja Mihelic

Zur Erforschung des Alpenraumes in Slowenien (D. Mihelic, 1996) ../09 ../English summaries IncludiIntestazione 4 luglio 2013 25% Da definire

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[p. 77 modifica]ZUR ERFORSCHUNG DES ALPENRAUMES IN SLOWENIEN


Darja Mihelic


Résumé


Pour une recherche sur l’espace alpin en Slovénie


Cette contribution propose un survol des recherches réalisées en histoire et dans plusieurs disciplines voisines sur les régions alpines de Slovénie. Elle est axée sur l’organisation de la recherche et énumère divers projets réalisés ou en voie de réalisation. Un rôle primordial revient au Centre de recherche de l’Académie des Sciences et des Arts, qui se compose de 14 instituts. L’Institut d’Histoire se voue à l’édition de sources et à la réalisation de travaux de recherche de longue haleine consacrés surtout à

la topographie historique, à l’histoire de la colonisation de l’espace slovène ainsi qu’à l’histoire économique et sociale des Slovènes. Le Centre de recherche semble être le partenaire le plus approprié à servir de relais dans le cadre d’une coopération internationale en matière d’histoire alpine.


Mein Beitrag zur alpinen Geschichtsforschung möchte den Zustand der historischen und anderen Studien, die in Slowenien durchgeführt werden, vorstellen. Die den slowenischen Alpenraum betreffende Bibliographie ist ziemlich reich, aber auch sehr unkoordiniert. Viele Veröffentlichungen werden populärwissenschaftlich konzipiert, andere propagieren den Tourismus, Alpinismus, Skisport oder den Umweltschutz.

Zahlreich sind die Publikationen, welche die biologischen, geographischen und geologischen Eigenschaften des Alpenraumes (im Rahmen des ganzen slowenischen Raumes) erforschen. Historische und gesellschaftswissenschaftliche Forschungen widmen dem Alpenraum (als einem räumlich bedingten Phänomen) weniger Aufmerksamkeit als die Naturwissenschaften. Das Hauptinteresse dieses Beitrags richtet sich auf die historische Forschung.

[p. 78 modifica]Gezielte Untersuchungen zur Geschichte des Alpenraumes kommen in Slowenien kaum vor. Gelegentlich findet man Veröffentlichungen dieser Art in den zentralen slowenischen historischen Zeitschriften, in den lokalen Sammelbänden, die zufällig aus alpinen Orten stammen und manchmal auch thematisch konzipiert werden (zum Beispiel Loski razgledi, Kamniski zbornik, Kranjski zbornik, Jeklo in ljudje usw.), dann in einigen Monographien solcher Ortschaften (J. Zontar, Zgodovinci mesta Kranja [Geschichte der Stadt Krainburg], P. Blaznik, Skofja Loka in Losko gospostvo 973-18031 [Bischoffslack und die Herrschaft von Lack 973-1803]), manchmal auch anderswo.

Eine wissenschaftliche Gesellschaft, welche die Forschungsanstrengungen der Historiker aus mehreren Staaten koordinieren will, muss zuerst die verschiedenen Systeme der Forschungsarbeit und die konkreten Forschungsprojekte kennenlernen. Ich möchte meinen Staat Slowenien diesbezüglich präsentieren.

Bei der Aufzählung der Forschungen, die in Slowenien durchgeführt werden und den Alpenraum betreffen, dürfen wir uns nicht nur auf Forschungen der Geschichtswissenschaft beschränken, sondern müssen auch Forschungsarbeiten der verwandten Wissenschaften berücksichtigen. Solche Wissenschaften sind die Archäologie und Paläontologie, die Kunstgeschichte, die Volkskunde, teilweise auch die Geographie und die Biologie.

In Slowenien mit knapp zwei Millionen Bewohnern, werden Forschungsarbeiten von folgenden Institutionen ausgeführt: von den Universitäten in Ljubljana und Maribor (es wird auch eine dritte Universität geplant, was noch ferne Zukunft ist) und von einigen Forschungsinstituten. Wie in den übrigen (vor kurzer Zeit noch) realsozialistischen Staaten so sind die Forschungsinstitute auch in Slowenien nicht systematisch im Rahmen der Universität organisiert (wie es in anderen europäischen Staaten üblich ist), sondern sie wurden von der (Slowenischen) Akademie der Wissenschaften und Künste gegründet.

Das (neue) Forschungsarbeiten betreffende Gesetz ermöglicht nun die Gründung von Forschungsinstituten an der Universität. Die Praxis sieht allerdings noch anders aus. An der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana besteht zwar ein sogenanntes Wissenschaftliches Institut der Philosophischen Fakultät, das aber keine Wissenschaftler beschäftigt, sondern die Organisation und Finanzierung der Forschungen im Rahmen der Fakultät regelt. Unter den professionellen Forschungsinstitutionen ist es notwendig, insbesondere das Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste zu erwähnen. Es setzt sich aus 14 Instituten zusammen (Institut


[p. 79 modifica]für die slowenische Sprache, Institut für die slowenische Literatur und literarische Wissenschaften, Archäologisches Institut, Historisches Institut, Kunstgeschichtliches Institut, Musikolo gische s Institut, Ethnologisches Institut, Institut für Musik-Ethnographie, Institut für die Geschichte der Auswanderer, Philosophisches Institut, Geographisches Institut, Institut für Erforschung des Karst-gebietes, Paläontologisches Institut und Biologisches Institut).

Die von den Akademien gegründeten Institute waren in den realsozialistischen Staaten üblicherweise Zufluchtsorte von überprüften Kaderleuten. Die oben-erwähnten slowenischen Institute waren bezüglich dieser Usanz, wie auch bezüglich der (kleinen) Zahl der Beschäftigten nicht typisch. Darum konnten sie sich nach der Wende des Regimes im Jahre 1991 als eigenständige, konkurrenzfähige Forschungsinstitute erhalten.

Das Institut für (slowenische) Geschichte bei der Slowenischen Akademie der Wissenschaften beschäftigt nur sieben Wissenschaftler, deckt aber (mit Lükken) die Zeit vom 6. Jahrhundert bis 1918 ab. Seine Aufgabe ist eine doppelte: Entwurf, Organisation und Leitung der prioritären Infrastrukturvorhaben auf der einen und historische Grundlagenforschung auf der anderen Seite.

Unter den Aufgaben des Instituts können wir an erster Stelle Veröffentlichungen der Quellen für die Geschichte der Slowenen nennen. Das Institut publiziert den zentralen Katalog der mittelalterlichen Urkunden (bis zum Jahre 1500) für die slowenische Geschichte. Ausser der Veröffentlichung und Interpretation der mittelalterlichen Urkunden werden auch Quellen für andere wichtige Momente der slowenischen Geschichte herausgegeben, wie zum Beispiel Korrespondenzen der bekannten Slowenen. Eine wichtige Aufgabe des Instituts ist die Führung der historischen Bibliographie.

Die grundlegende Aufgabe des Instituts bildet die Erforschung der historischen Topographie und Kolonisationsgeschichte des slowenischen Raumes. Es handelt sich um die Fragen der Bevölkerung, der Kolonisation und ethnischen Genese des slowenischen Raumes, mit der Identifikation und Analyse der Toponyma von einst bis heute. Eine langfristige Aufgabe des Instituts ist die Organisation und Ausführung der Forschungen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Slowenen, mit dem Ziel eine Serie thematischer Monographien für verschiedene Gebiete der wirtschaftlichen Geschichte des slowenischen Volkes herauszugeben. Das Institut befasst sich auch mit der Erforschung der Probleme der slowenischen Geschichte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg. Im weiteren besteht in Ljubljana noch das Institut für neuere Geschichte


[p. 80 modifica](Zeitgeschichte) mit 16 Wissenschaftlern, die sich mit der Erforschung der Politik, Wirtschaft und Soziologie im slowenischen Raum seit der Mitte des 19. Jahrhunderts befassen (es trug vor kurzem den Namen «Institut für die Arbeiterbewegung»), und das Institut für Nationalitätsfragen: Es beschäftigt zwei Historiker und einige andere Wissenschaftler. Der Schwerpunkt der Forschung dieses Instituts ist der Zeit nach dem ersten Weltkrieg gewidmet. Im Rahmen der Theologischen Fakultät der Universität in Ljubljana ist das Institut für die Geschichte der Kirche (als Institution, nicht im Sinne der Religions-geschichte) tätig.

Historische und verwandte Forschungen werden noch in den Archiven und Museen durchgeführt: im zentralen Archiv Sloweniens in Ljubljana und in den zahlreichen Landes- und Stadtarchiven, im zentralen Nationalmuseum in Ljubljana und in vielen Landes- und Stadtmuseen.

Zentrale historische Zeitschriften, die in Slowenien herausgegeben werden, sind zwei Zeitschriften des Historischen Vereins Sloweniens, Zgodovinski casopis (Historische Zeitschrift) und Kronika, Casopis za slovensko lokalno zgodovino (Chronik. Zeitschrift für slowenische Lokalgeschichte), weiter Casopis za zgodovino in narodopisje (Zeitschrift für Geschichte und Volkskunde), schliesslich die alternative Zeitschrift Zgodovina za vse (Geschichte für alle). Die Problematik der Religion und Kirche wird in den Acta ecclesiastica Sloveniae behandelt.

Von den zahlreichen Zeitschriften und Sammlungen, die engere lokal und zeitlich begrenzte Forschungen veröffentlichen, sollen noch Prispevki za novejso zgodovino - Beiträge für Zeitgeschichte (früher Beiträge für die Geschichte der Arbeiterbewegung) erwähnt werden, die vom Institut für Zeitgeschichte herausgegeben werden.

Für die historischen Serien der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste, welche Quellen, Abhandlungen und wissenschaftliche Monographien veröffentlichen, gelten strenge wissenschaftliche Kriterien. Es sind dies: Viri za zgodovino Slovencev - Quellen für die Geschichte der Slowenen, Dela - Arbeiten und Razprave - Abhandlungen der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Auch andere diesbezüglich relevante Wissenschaften - von der Archäologie und Paläontologie, über Rechts- und Kunstgeschichte bis zur Volkskunde veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse in den zahlreichen Zeitschriften und Serien der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Die Durchführung und Finanzierung der Forschungstätigkeit hat sich nach dem

[p. 81 modifica]Jahre 1990 reorganisiert. Alle Forschungen werden in der Form von attraktiven drei und fünfjährigen Projekten durchgeführt.

Die augenblickliche Lage der Forschungstätigkeiten in Slowenien ist wenig transparent, besonders darum, weil die Finanzierung der Institutionen, in denen die Forschungen durchgeführt werden, über verschiedene Ministerien verläuft. Die Universitäten werden vom Ministerium für das Schulwesen finanziert, die Archive und Museen vom Ministerium für Kultur, Forschungs-institute vom Ministerium für Wissenschaft und Technologie, das auch Forschungen an den Universitäten, in den Museen und Archiven mitfinanziert.

Das Ministerium für Wissenschaft und Technologie hat in den letzten Jahren folgende historische Projekte finanziert: Geschichte der Geschichtsschreibung, Theorie der Geschichte und Methodologie, geschichtliche Bibliographie; Bewahren, Erhalten, Restaurieren, Bearbeiten der Archivschriften und Ausarbeiten der Hilfsmittel für die Forschung; Veröffentlichung der Quellen für die Geschichte der Slowenen; der slowenische Raum in der Spätantike; Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Slowenen; Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Alltagsleben im slowenischen Raum vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts; Bürgertum im slowenischen Raum vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1918; Geschichte der Kirche von der Reformation bis zu den Reformen Josephs des II.; Klöster der älteren Kirchenorden im slowenischen Raum (Zisterzienser und Karthäuser); die materielle Kultur der Siedlungen und Burgen im slowenischen Raum; materielle und technologische Darstellung nichtagrarer Betriebe und ihrer Produkte im slowenischem Raum; Beschreibungen und Abrisse des slowenischen Gebietes aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Von den Projekten der anderen Wissenschaften, die für die Erforschung des Alpenraums interessant werden können, erwähnen wir folgende Projekte: Slowenien in den archäologischen Zeitaltern; paläovegetative Forschungen im slowenischen Raum; Forschungen der slowenischen Volkskultur, Slowenische Kunstgeschichte; Forschungen zur slowenischen musikalischen Vergangenheit; Lebensweise der Slowenen im 20. Jahrhundert; Kulturlandschaft, die Funktion des Reliefs und des Elementarschadens; Forschungen zur Ökologie und zum Naturschutz; Einfluss der Verunreinigung auf die Wälder in Slowenien; touristische Geographie.

Unter den Forschungen, bei denen wir auf eine wissenschaftliche Zusammenarbeit hoffen können, würde ich folgenden Projekten den Vorzug geben: historische Forschungen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Slowenen;

[p. 82 modifica]Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Alltagsleben im slowenischem Raum vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts; materielle Kultur der Siedlungen und Burgen im slowenischen Raum; materielle und technologische Darstellung nichtagrarer Betriebe und ihrer Produkte im slowenischem Raum. Unter den nichthistorischen Forschungen könnte man folgende Projekte einbeziehen: Slowenien in den archäologischen Zeitaltern; Forschungen zur slowenischen Volkskultur; Slowenische Kunstgeschichte; Forschungen zur slowenischen musikalischen Vergangenheit; Lebensweise der Slowenen im 20. Jahrhundert; Kulturlandschaft; Forschungen zur Ökologie und zum Naturschutz; Einfluss der Verunreinigung auf die Wälder in Slowenien; touristische Geographie.

Als Institution, die sich professionell mit Forschung beschäftigt, scheint für die Zusammenarbeit und Koordination im internationalen Rahmen der historischen Alpenforschung das Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste am geeignetsten.


Note