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143 DIE ENTSTEHUNG DER BODENWIRTSCHAFT

und die z. Th. ausgezeichneten Berichte der älteren Zeit, die Rousseau bei Seite gelassen hatte, und tüchtige neuere Beobachtungen nun zu einem einigermassen abgerundeten und vertieftem Bilde zu vereinigen gesucht. Nun freilich zerrannen für die Wissensehaft die Schemen Rousseau’s sehr bald gänzlich. Aber mit einiger Überraschung mussten wir nun auch feststellen, dass das uns vertraute Bild vom Manne, der als Haupt der Familie Weib und Kind durch seine wirtschaftliche Thätigkeit ernährt, auf die Zustände in ausserordentlich ausgedehnten Strecken und auf zahlreiche Aussen Völker absolut und ganz und garnicht passen wollte. Auch hier war freilich das Beispiel eines kleinen, historisch aber recht wichtigen Stammes in Europa selbst ganz übersehen worden: Auch bei den Montenegrinern hielt der Mann bis in unsere Zeiten nur die kriegerische und politische Thätigkeit für seiner würdig und die ganze wirtschaftliche Last lag und liegt bekanntlich auf der, durch die Ungunst des Bodens und des Klima’s ausserordentlich belasteten Frau!

Bei den für die moderne Ethnologie so wichtigen Bewohnern Australiens linden wir nun das Beispiel von einem ganzen Kontinente, freilich dem kleinsten unserer Erde, der bis zur Entdeckung fast ohne alle Bodenkultur war. Hier finden wir eine immerhin nicht ganz unbeträchtliche Anzahl Menschen, die, mehr oder weniger unter einander verwandt und jedenfalls von der übrigen Welt lange und ziemlich stark abgesondert, auf der niedrigsten Stufe aller menschlichen Wirtschaft stehen geblieben sind; auf der Stufe, die wir wenigstens hypothetisch allgemein voraussetzen müssen und die wir als die? der /Sammler zu bezeichnen pflegen. Die Australier boten uns daher so ziemlich das Bild einer Urgesellschaft wie wir sie vielleicht mit gutem Grund etwa für die ältere Steinzeit voraussetzen können.

Bezeichnend ist und typisch wurde dabei für die neue Auffassung der wirtschaftliehen Verhältnisse der ältesten und niedrigsten Stufe das Verhältnis der Geschlechter bei der wirtschaftlichen Versorgung des Stammes. Die Männer waren hier eigentlich nicht das, was wir Jäger nennen können. Sie betrieben wohl die Jagd als ihre hauptsächlichste Beschäftigung, wenn sie nicht, worauf wir nachher noch kommen, gerade für sie noch Wichtigeres zu tlmn hatten. Sie hatten auch ein gewisses Gefühl, dass es ihre Pflicht sei die erlegte Beute