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432 THE “IMPATIENCE THEORY„ OF INTEREST

Stunden, sie alle werden personifiziert und vergöttert als die Urheber aller Wandlungen des Universums ».1

Man rechnete aus, dass nach einem « grossen Jahr », das etwa 432000 gewöhnliche Jahre umfasste, alle Planeten wieder in dieselbe Stellung zurückkehren würden. Es würde sich dann alles genau wiederholen. Venn alle Planeten im Krebs in Konjunktion ständen, würde ein Weltbrand entflammen und alles verheeren. Fand aber die Konjunktion im Steinbock statt, würde eine Sintflut kommen. Diese babylonische Ansicht von der periodischen Wiederkehr aller Erscheinungen genoss im Altertum und Mittelalter grosses Ansehen.

Es verdient wohl auch, speziell hervorgehoben zu werden, dass ebenso wie die älteste Religion aus den Versuchen entstand, auf die umgebende Natur in für die Menschen günstiger Weise einzuwirken, ebenso der mächtige Sternenkultus entstand aus dem Bedürfnis, die Zeit zu messen und auf diese Weise die Zukunft gewissermassen zu berechnen, sowie den Wechsel der Jahreszeiten vorauszusagen. Die Schwäche der mexikanischen und babylonischen Sternkunde lag darin, dass ihre Ausüber sich fast ausschliesslich darum kümmerten, genaue Ephemeriden durch Wiederholung und Verfeinerung der Beobachtungen darzustellen, während sie kaum ein Interesse an der Erforschung der physikalischen Natur der Himmelskörper bekundeten. In dieser Hinsicht wurden sie von den Griechen erheblich übertroffen und in noch viel höherem Grade von den jetzigen Kulturvölkern. Ihre philosophische und kritische Spekulation verwandelte die Kalenderberechnung der mexikanischen und babylonischen Sternkundigen in eine wirkliche Wissenschaft, in die Astronomie. Die babylonischen Astronomen-Priester besassen ein sehr grosses und in vielen Hinsichten wunderbar genaues Wissensmaterial, ihre Kenntnisse brachten jedoch keine wahre Wissenschaft, sondern vielmehr Aberglauben hervor, gerade weil sie nur Material sammelten und darauf verzichteten eine einfache Darstellung davon zu machen, welche sie vielleicht zu der Entdeckung des Newton’schen Gesetzes und damit dem Verständniss der Himmelsmechanik geführt hätte.

Die Kultur der Babylonier und diejenige der Mexikaner wurden — jene in der alten, diese in der neuen Welt — von

  1. Cumont: 1. c, S. 208.}}