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als Zustimmung zu der neuen Auffassung angesehen werden können, habe ich in dem Vorwort zum zweiten Abdruck von «E. d. A.» 1909 erwähnt. Spät hören wir das Wort von Hertz, die Maxwellsche Theorie bestünde eigentlich in den Maxwellschen Gleichungen, spät hören wir die Worte von Helmholtz in der Vorrede zu Hertz’ Mechanik S.xxi. Erst 1906 erschien P. Duhem, «La Theorie physique», welche vollständig mit dem alten Standpunkt bricht.

Bei meinen historischen Studien über Mechanik und Wärmelehre erleichterte mir die biologisch-ökonomische Auffassung des Erkenntnisprozesses ungemein das Verständnis der wissenschaftlichen Entwicklung. Der durch das Streben nach Selbsterhaltung zu praktisch-ökonomischem Verhalten gedrängte Mensch reagirt zunächst ganz instinktiv auf günstige und ungünstige Umstände. Sobald aber die soziale Entwicklung, die Teilung der Arbeit, die Entstehung des Handwerkerstandes den Einzelnen nötigt, seine Aufmerksamkeit den Zwischenmitteln, den Zwischenzielen zur Befriedigung der Bedürfnisse zuzuwenden, so tritt eigentlich erst bewusst der Intellekt in Wirksamkeit. Die praktische Unbehaglichkeit wird alsbald durch die drängende intellektuelle Unbehaglichkeit ersetzt. Das willkürlich gewählte Zwischenziel wird nun mit demselben Eifer und mit denselben Mitteln verfolgt, als vorher etwa die Stillung des Hungers. Die instinktiven Bewegungen des Wilden, die halbbewusst erlernten Griffe des Handwerkers sind die Vorbereitungen der Begriffe des Forschers. Die Ansichten und die verachteten banausischen Künste des Handwerks gehen unvermerkt in die Ansichten und Kunstgriffe des Physikers über, und die Oekonomie der Tat wächst allmälig zur intellektuellen Oekonomie des Forschers aus, die sich auch in dem Streben nach den idealsten Zielen betätigen kann.

Die Aeusserungen dieser Oekonomie sehe ich deutlich in der allmäligen Zurückführung der statischen Gesetze der Maschinen auf ein einzinges, das der virtuellen Verschiebung oder des Verschwindens der Arbeit, in dem Ersatz der Keplerschen Gesetze durch das einzige Newtonsche d2r/dt2 = mm1/r2, in der Verminderung, Vereinfachung und Klärung der Begriffe der Dynamik. Deutlich sehe ich die biologisch-ökonomische Gedankenanpassung, die nach dem Prinzip der Kontinuität (Permanenz) und dem der zureichenden Bestimmtheit