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| philos. konzeption u. math. analyse | 9 |
noch, ob und wie weit dieses berechtigt ist, wäre noch zu entscheiden, in vielen Wissenschaften auf dem Standpunkte, dass sie der mathematischen Analyse nicht bedürfen. Für die Chemie ist es allerdings bekannt, dass erst die durch Wägung bestimmte Gewichtszunahme bei der Verbrennung den Anstoss zu den folgenden zahlen massigen Gesetzen (Valenz, Molekularformeln u. s. w.) gab, deren volle Bestätigung sodann auf physikalischer Grundlage erhalten werden konnte. Auch für die Biologie, Physiologie und Psychologie ist ein vielversprechender Anfang gemacht durch die Untersuchungen von Herbart, Fechner, Helmholtz, v. Kries; und gerade diese letzteren, jedenfalls mehr als die einfachen, für die chemische Analyse nötigen arithmetischen Operationen, zeigen, dass nebst genaueren messenden Versuchen zur Ableitung von allgemeinen physiologischen und psychologischen Gesetzen die Hilfsmittel der mathematischen Analyse wesentliche Dienste leisten.
Es darf natürlich nicht behauptet werden, dass eine Wissenschaft durch den Mangel an mathematischen Deduktionen noch auf einer tiefen Stufe stehe. Unsere Erfahrungen über den Fortschritt der verschiedenen Wissensgebiete zeigen zur genüge, dass insbesondere in der Biologie Gesetze auch ohne eine solche gefunden wurden; die Resultate der Untersuchungen über Zellteilung und Vermehrung, die physiologische Chemie, die Muskel- und Nervenphysiologie, Abstammungslehre und Selektionstheorie sind hiefür Beweise. Bedarf es zu Erhärtung oder zur Weiterführung derselben überhaupt der Mathematik? Sind dieselben der mathematischen Behandlung zugänglich?
Als ein meines Wissens noch nicht bekanntes Beispiel möge hier das folgende erwähnt werden, welches die Physiologie der Sekretion und Assimilation auf bekannte physikalische Gesetze zurückführt. Sekretion findet stets in Drüsen statt; zur Assimilation der Nahrung dienen die in den Darm hineinragenden Darmzotten. Lassen sich diese Erscheinungen durch bekannte physikalische Kräfte erklären? Genügend bekannt sind die Erscheinungen der Kapillarität. Benetzende Flüssigkeiten steigen in engen Röhren (Kapillarröhren) um so höher, je enger die Röhre ist; bringt man einen Tropfen einer benetzenden Flüssigkeit (Wasser gegen Glas) in eine nach einer Seite enger werdende Röhre, so wird der Flüssig-