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425 ÜBER DEN URSPRUNG DES GESTIRNKULTUS

Völkern, wo wir sicher nachforschen können, der Mond anfangs über die Sonne gestellt wurde. Die älteste Periode, welche dem mexikanischen Kalender bekannt ist, heisst « Tonalamatl » und umfasst 260 Tage. Ohne Zweifel ist diese Periode aus neun synodischen Monaten entstanden (9 synodische Monate sind gleich 265,8 Tagen) welche zur Anpassung zu dem herrschenden Zahlensystem, mit 20 als Grundzahl, auf 260 Tage abgerundet wurden. Es ist vielfach darüber diskutiert worden, warum gerade 9 Monate zu einer neuen Einheit zusammengefasst wurden. So viel ist jedoch sicher, dass diese Periode nichts mit dem Sonnenjahr zu tun hat. Die betreffende Zeitperiode zeigt ihr hohes Alter dadurch, dass sie für die Bedürfnisse der Magie und der Horoskopstellung von den Priestern auch nach Einführung des Sonnenjahres benutzt wurde. Wie de Jonghe 1 bemerkt, ist diese Zeitperiode für alle verschiedenen Stämme der Nahua-Völkergruppe gemeinsam, sie datiert folglich wahrscheinlich schon von der als sehr weit zurückliegend angesehenen Zeit, in welcher diese Stamme noch nicht von einander getrennt waren.

Am deutlichsten finden wir die Stellung des Mondes in der babylonischen Literatur. Die Anbetung des Mondes (Sin) war älter als diejenige der Sonne (Shamash). In einem alten Keilschrifttext2 heisst es:

0 Sin, der Du allein das Licht von oben.
Der Du das Licht der Mensch heit holdselig bringest
....................................................
Dein Lieht strahlt herrlich wie der Glanz des Shamash
Deines erstgebornen Sohns. Vor Dir im Staube
Die Götter liegen, Du, o Herr des Schicksals.

Der Mond blieb in Babylonien, als später die Sonne daselbst als Obergott angenommen wurde, trotzdem der eigentliche Zeitmesser bei der Bestimmung der kirchlichen Feier; — ebenso bei den Arabern — und ist es noch bei den Mohammedanern und teilweise bei uns. Auch für die astrologischen Voraussagungen der Babylonier bleiben immer die « Zeichen » im Monde die wichtigsten. «O Sin, Du erteilst die Sprüche den Göttern, welche Dich darum befragen » heisst es in einer Beschwörungshymne.

  1. De Jonghe Memorias y rerista de la soc. cient. « Antonio Alzate » Bd. 25, S. 198, 1907-1908.
  2. L. Bergström: Semitisk mändyrka, Nordisk Tidskrift 1909 S. 391.