Pagina:Scientia - Vol. VII.djvu/154

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Grosses um die «Aufgaben der Kulturgeschichte», wie sie unter andern Eberhard Gothein in seiner bekannten Schrift dieses Titels (Leipzig 1889, Dunker und Humblot) kurz gekennzeichnet hat, und wenn an unseren Hochschulen zur Zeit noch herzlich wenig getan ist, um zur Lösung dieser Aufgaben durch Lehrstühle für Kulturgeschichte und andere geeignete Einrichtungen beizutragen, so mag das - wir wollen es wenigstens hoffen-weniger in dem Zweifel an der Grösse dieser Aufgaben als in dem Mangel an geeigneten Männern zu ihrer Durchführung begründet sein. Unser wissenschaftliches Leben hat Jahrzehnte hindurch vorwiegend dem Ausbau der Spezialwissenschaften zugestrebt und über den grossen Erfolgen dieses Strebens den Gedanken der Universitas literarum manchmal entschieden vernachlässigt; man begnügte sich über Gebühr mit einem Nebeneinander der verschiedenen Forschungsgebiete und liess Hecken zwischen ihnen wachsen, die den Horizont der Arbeitenden nicht selten erheblich einengten. Zum Glück ist die Gegenströmung nicht ausgeblieben; sie drängt nach der Pflege einer Wissenschaft, die allgemeine Richtlinien bietet, wie die Kulturgeschichte, will die wissenschaftliche Arbeit nach Massgabe solcher Richtlinien organisiert sehen und verlangt von den Einzeldisciplinen ein Zusammengehörigkeitsbewusstsein, dass dem Gefühl der Arbeit im Dienste eines gemeinsamen, organischen Kulturganzen entspringt und in der encyklopädischen Betrachtung keine Verflüchtigung, sondern vielmehr eine Stärkung des Erwerbs der Einzel Wissenschaften erblickt.

Unter allen Aeusserungen, die diese erfreuliche Gegenströmung bisher gefunden hat, ist weitaus die bedeutsamste die, deren Erscheinen den Gegenstand dieser Zeilen bildet: mit klarem Blick für ein wirklich vorhandenes Bedürfnis und mit dem kühnen Wagemute, ohne den etwas grosses Neues überhaupt nicht zu schaffen ist, hat Professor Paul Hinneberg, als Herausgeber der Deutschen Literaturzeitung seit Jahren an den weiten Ueberblick über das Gesamtgebiet der wissenschaftlichen Arbeit gewöhnt, den Plan einer systematischen Encyklopädie im Sinne des heutigen Standes unserer Kultur entworfen und dank der Unternehmungsfreudigkeit einer unserer führenden Verlagsbuchhandlungen diesen Plan zur Durchführung bringen können, wobei er für die wohldurchdachte Arbeitseinteilung die hervorragendsten und darum