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die biologische bedeutung der kolloide 35


teilen Einwirkung wird zwar nicht von allen geteilt; ich denke, sie aber weiterhin ausreichend begründen zu können. —

Der experimentellen Erforschung der Bedeutung der Kolloide steht ein Hauptmittel zu Gebote, und dies ist der Angriff auf die Kolloide mit Salzen, oder noch allgemeiner gesagt: mit Elektrolyten, d. h. also: mit in wässeriger Lösung in Ionen dissoziierten Stoffen; die Salze bzw. die Ionen sind die mächtigsten Mittel, um den Lösungs- oder Quellungszustand von Kolloiden in einer oder anderer Richtung zu beeinflussen. Diese Tatsache der Ionenempfindlichkeit der Kolloide eröffnet nun sofort eine bedeutsame Perspektive; denn wenn sich zeigen lässt, dass der Lebensprozess experimentell aus seiner normalen Bahn abgelenkt werden kann, indem man mit Hülfe von Salzen Kolloidzustaudsänderungen erzeugt, dann bekommt man ja auch mit einem Mal eine Einsicht in die Funktion der anorganischen Salze, deren Notwendigkeit für die lebenden Wesen zwar seit langem anerkannt, aber so gut wie vollkommen unverständlich war. In der Tat: erst in den letzten Jahren beginnt eine wissenschaftliche Physiologie der Salze sich aufzubauen, indem die Erfahrungen der Kolloidchemiker den Physiologen zu Induktionen verhelfen, welche Experimente über die Wirkungen der Salze nach sich ziehen. Und schon beginnt der experimentelle Erfolg sich in medizinisch-therapeutische Massnahmen umzuwandeln!

Am meisten Interesse beanspruchen unter den Wirkungen von Salzen auf Kolloide natürlich die Wirkungen der normalerweise in und um die Organismen vorhandenen Alkali- und Erdalkalisalze auf die den Organismen zugehörigen Kolloide. Daher werden Hofmeister’s schon im Jahre 1891 ausgeführte Studien über den Einfluss von Salzen auf die Aufquellung oder Schrumpfung von Gelatine-Gallerte stets als Grundlage und Ausgangspunkt für alle weiteren Untersuchungen zu gelten haben. Bei diesen Studien fand Hofmeister, dass den einzelnen Salzen bzw. Ionen ein verschiedenes Mass der Fähigkeit zukommt, den Wassergehalt einer Gallerte zu ändern, zu vermehren oder zu vermindern; er fand z. B., dass unter den Anionen am stärksten entquellend wirkt das Sulfat- und Citrat- Ion, dann folgen einander in immer geringerer Entquellungsfähigkeit bzw. steigender Quellungsbegünstigung die Ionen Acetat, Chlorid, Nitrat, Bromid,