Pagina:Scientia - Vol. VII.djvu/238

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kann die Forschung auf keine der beiden Methoden verzichten; ich halte allerdings die Kirchhoffsche für die richtige, ohne der andern die historisch erprobte Nützlichkeit abzusprechen.

S. 5 frägt P., wie das physikalische Weltbild, welches durch Anwendung dieser Methoden zu stande kommt beschaffen ist? «Ist dasselbe lediglich eine zweckmässige, aber im Grunde willkürliche Schöpfung unseres Geistes, oder finden wir uns zur gegenteiligen Auffassung getrieben, dass es reale, von uns ganz unabhängige Naturvorgänge widerspiegelt?» Ich kann hier keinen unvereinaren Gegensatz finden. Zweckmässig muss es sein, um uns zu leiten; was würden wir sonst damit anfangen? Von der Individualität abhängig, also in gewissem Sinne willkürlich muss es wol ebenfalls sein. Das zeigt der Vergleich der Newtonschen mit der Huygensschen, Biotschen, Young-Fresnelschen Optik, der Vergleich der Lagrangeschen mit der Poinsotschen und Hertzschen Mechanik. Wer könnte die Forscher hindern auf verschiedene Seiten der Tatsachen ihre besondere Aufmerksamkeit zu richten? Etwa das Dekret eines hinreichend angesehenen Physikers? Natürlich wird aber das menschliche, sozial sich erhaltende Weltbild durch den Wechsel der Forscher zusehends unabhängiger von der Individualität, fortschreitend ein reinerer Ausdruck der Tatsachen. Im allgemeinen kommen aber in jeder Beobachtung, in jeder Ansicht sowol die Umgebung als auch der Beobachter zum Ausdruck.

S. 6, 7 enthalten bekannte historische Tatsachen, über die kaum etwas zu bemerken ist.

S. 8 u. f. ist von der Vereinheitlichung des Systems der Physik die Rede, gegen die gewiss niemand etwas einzuwenden hat, am allerwenigsten der Vertreter der Denkökonomie, selbst wenn diese Vereinheitlichung nur eine vorläufige, hypothetisch-fiktive1 sein sollte. Nur glaube ich allerdings, dass die Elektrodynamik, oder sagen wir die Lorentzsche Theorie viel mehr Aussicht hat nach W. Wiens Auffassung die Mechanik als speziellen Fall in sich aufzunehmen, als umgekehrt.

Auch den Ausführungen, die nun von S. 10 an bis etwa 29 folgen, die sich auf den ersten und zweiten Hauptsatz der Thermodynamik beziehen, namentlich auf die wichtige Un-

  1. Den Ausdruck «fiktiv» entlehne ich von H. Driesch.