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DIE BIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER KOLLOIDE



Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass den zu der physikalisch-chemischen Gruppe der Kolloide gehörigen Substanzen, welche an der Zusammensetzung der Organismen teilnehmen, eine ausserordentlich wichtige Rolle bei den Lebensvorgängen zuerkannt werden muss; denn sobald wir uns das Wasser und die gelösten anorganischen Stoffe aus den Organismen fortdenken, so verbleiben als Rest ganz vorwiegend kolloidale Stoffe, und da unter diesen die Eiweisskörper, deren Verwandte und Abkömmlinge sowie die hochmolekularen Kohlenhydrate die Hauptmasse ausmachen, so kann wohl eben über die Bedeutung der Kolloide nicht gut gestritten werden.

Etwas ganz Anderes ist es aber, wenn man diese Einschätzung auch so verstanden wissen will, dass die Kolloide nicht oder nicht blos als chemische Verbindungen bestimmter Zusammensetzung, sondern, unabhängig von ihrem chemischen Aufbau, eben als Kolloide, das heisst hier: als quellungsfähige, schwer diffusible, durch neutrale Salze fällbare Substanzen, ihre Rolle im Lebensprozess spielen. Dies ist eine Auffassung, mit welcher man heute zunächst überhaupt nicht rechnet, wenn man von der Bedeutung der hauptsächlichsten organischen Kolloide, der Eiweisskörper, der tierischen oder pflanzlichen Stärke spricht, so wohlbekannt es auch ist, dass diese Stoffe typische Kolloide sind. Dennoch lassen sich schon viele Gründe dafür anführen, dass kolloidale Zustandsänderungen, — d. h. Änderungen der Beziehungen der Kolloide zu ihrem Lösungsmittel infolge irgendwelcher Bedingungswechsel — wesentliche Komponenten in der Dynamik der Lebenserscheinungen darstellen und vielleicht eine