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der Folgen dieser Durchlässigkeit ist der Austritt des roten Farbstoffs. Zu Gunsten dieser Argumentierung lässt sich noch anführen, dass andere als Hämolytica bekannte Substanzen, wie Saponin, Gallensäuren u. a. nachweislich mit Biweiss, Lecithin oder Cholesterin, also den Plasmahaut-Komponenten reagieren.

Gehen wir nun zur Betrachtung eines zweiten Falles von Salzwirkungen über, wobei die von den Salzen bewirkte kolloidale Zustandsänderung physiologisch belangreicher ist, als das nun gerade für die künstliche Permeabilitätssteigerung von Blutkörperchen durch allerlei Salze gelten kann. Dies zweite Beispiel ist der Einfluss der Salze auf Muskeln.

Wenn man, wie vorher die Blutkörperchen, Muskeln etwa vom Frosch in die Lösungen der verschiedenen Salze einlegt, so findet man, dass in manchen Lösungen die Erregbarkeit der Muskeln bald, oft in wenigen Minuten schwindet, in anderen sinkt und wieder in anderen ziemlich erhalten bleibt. Am bekanntesten ist wohl die Wirkung der Kalisalze; diese lähmen rasch. Dabei verändern sich die Muskeln äusserlich gar nicht, und wenn man sie der Wirkung der Salze entzieht, und sie in ihr normales Medium zurückversetzt, so erhalten sie ihre ursprüngliche Erregbarkeit zurück. Per analogiam werden wir auch hier, wie bei den Blutkörperchen, und aus den gleichen Gründen, genau den gleichen Erfahrungen über Ein- und Austritt von Stoffen (siehe S. 37-39) schliessen, dass die Salze an der Plasmahaut angreifen. Wnn wir dies folgern, dann kommen wir freilich zu einer gänzlich neuen Auffassung von der Bedeutung der Plasmahaut; denn daran war bisher nicht zu denken gewesen, dass die Plasmahaut auch für die normale Erregbarkeit mit verantwortlich gemacht werden müsste. Aber warum nicht? Ueber das Wesen der Erregbarkeit bestehen bisher doch gewiss keine klaren Vorstellungen! Immerhin sträuben sich manche gegen die Konsequenz einer solchen Erweiterung der Machtstellung der Plasmahaut. Jacques Loeb sagt z. B. wörtlich: «Es ist falsch, sich vorzustellen, dass die Zellen von Membranen umgeben sind, welche nur Wasser.... durchlassen, für andere Stoffe aber undurchgängig sind.... Der gewöhnliche Muskel verliert seine Erregbarkeit in kurzer Zeit, wenn er in Kochsalzlösung gebracht wird, die Kaliumsalze in nicht zu geringer Konzentration enthält.... Die Geschwindigkeit, mit der die Erreg-