Pagina:Scientia - Vol. VII.djvu/49

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die biologische bedeutung der kolloide 41


barkeitshemmung durch Kaliumsalze eintritt, hängt von der Konzentration der letzteren in der umgebenden Lösung ab. Es ist also sicher, dass die Kaliumsalze relativ leicht in die Muskelzelle hineindiffundieren können.» (Dynamik der Lebenserscheinungen Seite 74). Allein in der Tatsache der Wirksamkeit sieht also Loeb schon den Beweis der Passage der als blosse tote Barriere erachteten Plasmahaut. Aber das beruht doch offenbar auf einer vorgefassten Meinung über die Grundlagen des Erregbarkeitsphänomens. Wir haben keine Ursache, davor zurückzuscheuen, in die Grenzschichten lebender Gebilde Funktionen oder Teilfunktionen zu verlegen; manche haben das ja übrigens auch schon früher bei den sozusagen unverfälschtesten erregbaren Gebilden, den Nerven, getan, als sie den Erregungsvorgang als eine Grenzpolarisation auffassten, und heute haben wir neue Anhaltspunkte dafür gewonnen, wovon noch weiterhin die Rede sein wird. Loeb’s Ansicht lässt sich aber auch direkt widerlegen. Overton hat gezeigt, dass, wenn man Muskeln in eine Lösung von Kaliumsulfat einlegt, deren osmotischer Druck mit dem der Muskelsubstanz übereinstimmt, nach ganz kurzer Zeit Lähmung eintritt, dass sich dann aber der gelähmte Muskel Stunden, eventuell Tage lang gar nicht verändert, d. h. vor allem, sein anfängliches Volumen behält, und dass er schliesslich seine Erregbarkeit zurückgewinnen kann, wenn man ihn in Kochsalzlösung überträgt. Würde nun das Kalisalz rasch ins Muskelinnere eindringen, so rasch, wie die Lähmung sich vollzieht, so würde alsbald der osmotische Druck im Innern um den der Salzkonzentration entsprechenden Druck ansteigen, der Innendruck würde den Aussendruck überwiegen und durch osmotische Wasserbewegung nach innen hinein müsste das Muskelvolumen rasch zunehmen. Das Ausbleiben dieser Volumenvergrösserung ist der Beweis gegen Loeb’s Ansicht und der Beweis dafür, dass, wie es Overton auch ausgesprochen hat, der Einfluss der Salze auf die Muskelerregbarkeit in Einflüssen auf Plasmahautvorgänge bestehen muss. Wie ist nun dieser Einfluss zu denken?

Es ist mir aufgefallen, dass die Alkalikationen nach Overton in zunehmendem Masse in der Reihenfolge: Li, Na < Cs < Rb < K die Muskelerregbarkeit vermindern; ein Blick auf Seite 7 lehrt, dass diese Reihenfolge dieselbe ist, wie bei der Hämolyse und die bei den Zustandsänderungen der